Das Motto der Woche:

Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt.
Marie von Ebner-Eschenbach

 

29. September. 2022

   
Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime beschränkte sich nicht ausschließlich auf den 20. Juli 1944 oder die Weiße Rose. Zahlreiche Frauen und Männer haben in ganz unterschiedlicher Form und ganz unterschiedlichem Umfang Widerstand geleistet. Manche von ihnen aus politischen Gründen, manche aus christlicher Überzeugung, manche eher zufällig.
Einige dieser Widerstandskämpferinnen ollen hier kurz vorgestellt werden.


1903 (Regensburg) – 1987 (München)
Lotte Branz

wurde mit 18 Jahren Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). Verheiratet war Lotte mit dem Gewerkschaftsbibliothekar Gottlieb Branz. Beide waren Mitglieder der SPD - Lotte seit 1926.
Beide erkennen – im Gegensatz zur Parteileitung - früh die Gefahr, die von den Nazis ausgeht.
Als Mitglieder einer Widerstandsgruppe, die sich "Neu Beginnen" oder "revolutionäre Sozialisten" nannte, waren beide in der 30er Jahre aktiv. In Zusammenarbeit mit Waldemar von Knoeringen, der den Widerstand von Österreich und der Tschechoslowakei koordinierte, wurden von Lotte und Gottlieb Branz Informationsschriften und Flugblätter nach München geschmuggelt. Manchmal machte sich Lotte auch allein auf den Weg. Da ihnen die Schleichwege im deutsch-tschechischen Grenzgebiet bestens vertraut waren, konnten sie mehrmals verfolgten Juden zur Flucht verhelfen.
1939 wird Gottlieb Branz verhaftet, zu 7 Monate Haft verurteilt und kommt anschließend bis Kriegsende ins KZ Buchenwald.
Lotte muss in dieser Zeit sich und ihren Sohn alleine durchbringen. Trotz ihrer Not lehnt sie die Arbeit in einer Munitionsfabrik ab.
Nach Kriegsende arbeitet Lotte Branz wieder in der SPD mit. Sie wird Landesvorsitzende der SPD - Frauen.


Edith Wolff
1904 (Berlin) – 1997 (Haifa)
Sie wuchs als älteste von drei Schwestern in einem christlich - jüdischen Elternhaus auf. Sie wurde evangelisch getauft, suchte aber den Kontakt zum Judentum. Edith Wolff war fasziniert von den Idealen der Jugendbewegung, des Sozialismus und der frühen Frauenbewegung. Vieles davon fand sie im Zionismus vereint. 1934 trat sie zum Judentum über, was in erster Linie einer "rein politischen Protesthaltung" entsprang. Erst Jahre später konnte sie diesen Entschluss auch auf der religiösen Seite nachvollziehen.
Schockiert über die Gleichgültigkeit der Mitmenschen gegenüber antisemitischen Terrormaßnahmen, versuchte sie durch "Einzelaktionen", wie z. B. anonyme Schriften an Behörden, ihrer Empörung öffentlich Ausdruck zu verschaffen.
1937 machte sie mit Recha Freier Bekanntschaft, die ihr vorschlug, eine Abteilung der "Jüdischen Jugendhilfe" zu übernehmen. Hier lernte Edith Wolff Jizchak Schwersenz kennen, der als Lehrer auch mit der Jugendalija zu tun hatte. Sie schätzte Jizchak sehr, denn durch ihn hatte sie religiöses jüdisches Brauchtum kennen und lieben gelernt.
Ende 1938 kam es zu einem Konflikt unter den Mitarbeitern. Alarmiert durch die Deportationen polnischer Juden hatten Recha Freier und Edith Wolff gefordert, auch illegale Aktionen durchzuführen. Das stieß jedoch auf starke Ablehnung und führte zum Ausschluss der beiden Frauen.
Nachdem 1941 in Berlin die ersten Deportationen begannen, versuchte Edith Wolff, illegale Fluchtmöglichkeiten zu schaffen. Von nun an begann sie, für die Untergetauchten zu sorgen, indem sie Lebensmittelkarten und Ausweise beschaffte. 1943 gründete sie mit Jizchak Schwersenz die illegale Gruppe "Chug Chaluzi" (Kreis der Pioniere). Im selben Jahr erhielt sie die Aufforderung, sich bei der Gestapo zu melden. Um keine Belastung für die Gruppe zu sein, entschloss sie sich, nicht unterzutauchen, sondern sich zu melden.
Nach siebenmonatiger U-Haft, u.a. im KZ Ravensbrück, fand Anfang 1944 der Prozess statt. EWO wurde wegen "Judenbegünstigung" zu zwei Jahren Haft verurteilt, durchlief 18 Gefängnisse und wurde 1945 befreit.
Unmittelbar nach ihrer Befreiung engagierte sie ich sofort wieder in der Frauenfriedensbewegung. So nahm sie z.B. 1949 an einem internationalen Friedenstreffen teil, das von Frauen organisiert wurde, die das KZ Ravensbrück überlebt hatten. Im Dezember 1950 ging EWO in die Schweiz und von dort 1953 nach Israel. Dort arbeitete sie für einige Zeit in der Gedenkstätte Yad Vashem. Im Laufe der Zeit engagierte sie sich mehr und mehr für die jüdisch - arabische Verständigung.


Marie Helene Gräfin von Maltzan
25.03.1909 Militsch/heute Polen) . 12.11.1997 (Berlin)

1928 begann sie mit den Studium der Naturwissenschaften und wurde 1933 in München promoviert. Nach ihrer Heirat 1935 zog sie mit ihrem Mann nach Berlin und schrieb Zeitungsartikel und Hörspiele. Nach der Scheidung 1940 studierte sie Veterinärmedizin, das sie 1943 mit der Approbation zur Tierärztin abschloss.
Während der NS-Zeit stand sie in engem Kontakt zur schwedischen Kirche in Berlin. Sie verhalf zahlreichen politisch und rassisch Verfolgten zur Flucht, indem sie versteckte, ihnen gefälschte Ausweise verschaffte oder sie nachts über die Grenze schmuggelte.


Gertrud Seele
22.09.1917 (Berlin) – 12.01.1945 (Berlin)

Gertrud Seele, die aus einer Arbeiterfamilie stammte, arbeitet nach ihrer Ausbildung als Krankenschwester. Während der NS-Zeit versteckte sie Juden, ohne dabei entdeckt zu werden. Im Januar 1944 wurde sie wegen „defätistischer“, „wehrkraftzersetzender“ Äußerungen verhaftet. Im Dezember 1944 verurteilte man sie Zum Tod, einen Monat später wurde sie in Plötzensee hingerichtet.


Hanna Solf
14.11.1887 (Neunhagen bei Berlin) – 04.11.1954 (Starnberg)

1928 kehrte Hanna Solf zusammen mit ihrem Mann, der im Diplomatischen Dienst war, nach Deutschland zurück. Während der NS-Zeit bildete ihr Haus den Mittelpunkt einer Widerstandsbewegung, zur der vor allem Mitglieder des Auswärtigen Amtes gehörten.
Hanna Solf leistet Fluchthilfe für Verfolgte bis sie im Januar 1944 denunziert und verhaftet wurde. Sie überlebte die KZ-Haft in Sachsenhausen und Ravensbrück.

 
 

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